Erweiterung Brücke Museum, Berlin, 2026
Wo Architekturmanifeste aufeinandertreffen und diametrale Weltbilder der Geschichte den Raum prägen, bedarf es einer Architektur der Besonnenheit. Der Entwurf für die Erweiterung des Brücke-Museums Berlin stellt sich genau dieser komplexen Aufgabe am Rande des Grunewalds. Er knüpft an das historische Erbe von Werner Düttmann an, dessen flacher, horizontal in die Natur eingebetteter Baukörper bis heute als demokratische, niederschwellige und zutiefst humanistische Institution wirkt. Gleichzeitig ehrt der Entwurf den ursprünglichen Wunsch des „Brücke“-Mitbegründers Karl Schmidt- Rottluff: ein Ort radikaler Einfachheit, der die Kunst ungestört atmen lässt und doch stets den Bezug zur umgebenden Landschaft wahrt.
Wir verzichten bewusst auf laute architektonische Botschaften oder ikonografische Gesten. Das neue Gebäude will kein Zeichen sein, sondern ein dienendes, hochpräzises Raumgefüge. Über ein an den Bestand angebundenes Element entwickeln sich zwei neue, eigenständige Baukörper. Eine grüne Fuge trennt sie, während ihre jeweilige Bauhöhe – ganz der Funktion folgend – präzise auf die inneren Nutzungsanforderungen reagiert. So entsteht ein Ort, der neben der reinen Kunstbetrachtung auch dringend benötigte Räume des Verweilens und des Austauschs anbietet.
Besonders reizvoll ist die konstruktive und materielle Ausformulierung, die ein feines Spiel der Kontraste inszeniert. Beide Baukörper werden von leichten, auskragenden hölzernen Tragwerken überspannt, die durch eine gläserne Fuge optisch von den Wänden abgelöst sind – das Dach scheint zu schweben.
Darunter entfaltet sich ein Dialog aus Massivität und Leichtigkeit: Im Ausstellungsbereich tragen Wandscheiben aus 15 Schichten erdigem Stampfbeton die Struktur und verleihen den Räumen eine archaische, taktile Schwere und Festigkeit. In den Sekundärräumen hingegen übernehmen schlanke Stahlstützen diese Aufgabe, begleitet von großflächigen Verglasungen, die den Wald tief in das Gebäudeholen. Einzelne, gezielt gesetzte Fensterelemente in den Galerien rahmen die Natur wie eigene Kunstwerke.
Offener Wettbewerb
05/2026
Bauherr
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Abteilung II Städtebau und Projekte, Referat II D – Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe, Württembergische Straße 6, 10707 Berlin
Standort
Bussardsteig 9, 14195 Berlin – Steglitz-Zehlendorf
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