Holzhochhaus „Tall Wood“, Seestadt Aspern, AT-Wien, 2016

Wien ist durch die Erweiterung der EU stärker ins Zentrum Europas gerückt, laut Prognosen wird die Stadt bis zum Jahr 2035 auf rund 2 Millionen Menschen anwachsen. Um den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken, wird der Fokus der Entwicklungen auf die Außenbezirke gelegt. Insbesondere die Seestadt Aspern gilt hier als strategisch wichtiges Projekt, das als Teil des Zielgebiets U2 Donaustadt/Aspern einen von 13 Standpunkten im Fokus der Stadtentwicklung darstellt.

Durch die Entwicklung eines attraktiven Zentrums mit kurzen Wegen zu allen Lebensbereichen, mit vitalen Wechselbeziehungen zum Umfeld und mit eindeutigem Fokus auf den öffentlichen Raum entsteht ein Projekt von überregionaler Bedeutung. Der Wachstumsbezirk Wiens erhält eine hochwertige Infrastruktur und ein starkes Zentrum, zusätzlich wird die Versorgungsqualität für die DonaustädterInnen deutlich verbessert.

Die Gesamtfläche des Entwicklungsgebiets Aspern beträgt 2,4 Mio. m2 und umfasst derzeit 8.500 Wohnungen für ca. 20.000 Bewohner. Momentan gibt es etwa 2. 000 Arbeitsplätze, die größtenteils für Büro- und Dienstleistungsunternehmen und im weiteren Sinne für Gewerbe, Produktion, sowie Wissenschaft und Forschung vorgesehen sind. Im Zentrum des Gebiets befindet sich ein 5 ha großer See, der an einen Park mit einer zusätzlichen Fläche von 9 ha angeschlossen ist. Die Anbindung an die U-Bahn-Linie U2, an die Schnell- und Regionalbahnlinie, sowie die ÖBB-Linie Wien-Bratislava ermöglichen den direkten Anschluss an das überörtliche ÖPNV-Netz und die Erreichbarkeit der Stadtzentren Wien und Bratislava in weniger als 30 Minuten.

Das zur Bebauung vorgesehene Baufeld nimmt im städtebaulich sehr heterogenen Gefüge eine herausragende Position ein. Es bildet den Abschluss des zentralen Bauabschnittes in Richtung des Seeparks und wird seitlich von der Hochbahn-Trasse der U2 gefasst. Von deren Endstation aus soll der gesamte Bauabschnitt in Richtung Westen durch eine breite, öffentliche Traverse erschlossen werden, die sich immer wieder in polygonale Plätze öffnet und so Qualitäten zum Verweilen schaffen soll. Im direkten Kontext schließt das Baufeld eine Reihe von höheren Wohnbebauungen ab, die sich mit ihren Hochpunkten alle eindeutig zum Park hin orientieren.Diese Situation gibt den grundlegenden Entwurfsgedanken eines frei stehenden Hochhauses vor, welches sich selbstbewusst als Teil eines öffentlichen Platzes präsentiert und somit eine „Leuchtturmfunktion“ erhält. Die um das Hochhaus herum generierte öffentliche Fläche bildet dabei einen lebhaften Quartierseingang, an dem sich unterschiedliche Verkehrswege treffen und durch eine bewusste Platzgestaltung gebündelt werden.

Ein Bürogebäude schließt die bestehenden Wohnbebauungen der benachbarten Baufelder zum Platz hin ab und trennt somit öffentliche und private Bereiche. Gleichzeitig nimmt das Gebäude bestehende städtebauliche Kanten auf und führt diese weiter aus. Als dritter Baustein soll an zentraler Stelle eine Bibliothek entstehen, die das Baufeld als freistehender Solitär nach Süden hin abschließt. Sie steht als starker Körper inmitten der Ost-West Traverse des Quartiers und wird von öffentlichem Raum umflossen.

Essentiell ist natürlich vor allem der Umgang mit dem öffentlich durchflossenen Raum, da das Baufeld sehr große öffentliche Flächen generiert. Um mit dieser großen Fläche angemessen um- zugehen, bespielen wir den südlich vom Gebäude gelegenen Platz mit dem aus dem Gebäude verlaufenden Café und einer großen Baumgruppe, die mehrere Sitzgelegenheiten anbieten und auf dem Platz verschiedene Aufenthaltsqualitäten schaffen.

Der städtebauliche Ansatz bezieht sein Wesen also aus drei grundlegend unterschiedlichen Bausteinen, die beispielhaft für die Vielfalt des gesamten Quartiers stehen. Sie sollen unterschiedliche Qualitäten erzeugen, in ihrem Miteinander Bezüge herstellen und dadurch Orte zum Verweilen schaffen.

Der Entwurfsaufgabe entsprechend soll ein Gebäudeensemble entstehen, das seiner zentralen Lage in einem Wohnquartier entspricht und gleichzeitig eine hohe Nutzungsflexibilität ermöglicht. Da der Bebauungsplan für die Seestadt Aspern eine Wohnnutzung von ca. 80% vorsieht, sollen innerhalb des Hochhauses unterschiedliche Formen des Wohnens stattfinden.

Studie
03/2016

Bauherr
privat

Standort
Janis-Joplin-Promenade 26/9, 1220 AT-Wien

Baukosten
ca. 72,0 Mio. €

In ArGe mit
Maximilian Janke, M.Sc.

Auszeichnung
Preisträger International Design Competition CTBUH Chicago/Shenzhen

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