Revitalisierung Hauptstelle Kreissparkasse, Tuttlingen, 2025-2028

Ein gewachsenes Gebäudeensemble

Die Revitalisierung der Hauptstelle der Kreissparkasse Tuttlingen versteht sich nicht als Ersatz eines Bestandsgebäudes, sondern als dessen konsequente Weiterentwicklung. Aus einem über Jahrzehnte gewachsenen Gebäudeensemble entsteht ein klar lesbare Gesamtanlage, deren Architektur Identität stiftet und den Wandel der Sparkasse zu einem zeitgemäßen, offenen Dienstleistungsstandort räumlich sichtbar macht. Anstatt die vorhandene Bausubstanz infrage zu stellen, nutzt der Entwurf ihre Qualitäten als Ausgangspunkt für eine umfassende Transformation. Die unterschiedlichen Baukörper – das Hauptgebäude von 1978, die später entstandene L-Spange und das SparkassenForum – werden gestalterisch und funktional zu einem zusammenhängenden Ensemble verbunden. Aus einer bislang heterogenen Gebäudestruktur entsteht ein einheitlicher architektonischer Auftritt, der dem Standort eine neue Selbstverständlichkeit und Präsenz verleiht.

Städtebauliche Neuordnung

Der Entwurf stärkt die räumliche Fassung der Bahnhofstraße und formuliert gegenüber dem Stadtgarten eine prägnante städtebauliche Adresse. Durch die Erweiterung der Nordostecke erhält das Gebäude eine klar definierte Raumkante, die den öffentlichen Stadtraum stärkt und dem Hauptsitz der Kreissparkasse Tuttlingen einen eindeutigen Auftakt verleiht. Der Haupteingang bleibt an seiner etablierten Position an der Kreuzung von Bahnhof- und Moltkestraße bestehen und wird durch einen großzügigen Rücksprung markiert. Der weit auskragende Baukörper schützt den Eingangsbereich und verleiht ihm zugleich eine selbstverständliche räumliche Bedeutung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Übergang zwischen Gebäude und Stadtraum. Entlang der Ostfassade entstehen neue Aufenthaltsqualitäten, während die Kunstwerke im Außenraum bewusst in die Fassadengestaltung integriert werden. Auf dem Dach ergänzt ein zurückgesetztes Schulungszentrum die bestehende Kubatur. Wie ein leichter Pavillon schwebt es über dem Bestand und tritt in direkten Dialog mit den begrünten Dachflächen und der umgebenden Stadtlandschaft.

Eine neue räumliche Mitte

Das Herzstück des Gebäudes bildet das neu organisierte Foyer. Ein großzügiger Luftraum verbindet mehrere Ebenen miteinander und verleiht dem Eingangsbereich eine überraschende Großzügigkeit. Im Zentrum steht eine frei geformte Empfangstheke, die Orientierung bietet und als kommunikatives Zentrum den ersten Kontakt zwischen Besuchern und Mitarbeitenden definiert. Die bislang trennende Fuge zwischen Hauptgebäude und L-Spange wird zu einem mehrgeschossigen Atrium transformiert. Tageslicht fällt über ein großzügiges Oberlicht tief in das Gebäude und verbessert die Aufenthaltsqualität der innenliegenden Bereiche nachhaltig. Begrünte Pflanzinseln, offene Wartezonen, Beratungsbereiche und filigrane Verbindungsstege schaffen einen lebendigen Innenraum, der Begegnung und Kommunikation fördert. Der Innenhof setzt sich damit im Gebäude fort und wird zum atmosphärischen Mittelpunkt des gesamten Ensembles.

Mehrfachbeauftragung
04/2025 – 1. Preis

Fertigstellung
2025-2028

Bauherr
Kreissparkasse Tuttlingen, 78532 Tuttlingen

Standort
Bahnhofstraße 89, 78532 Tuttlingen

Baukosten
keine Angabe

Leistungsphasen
1-9

Tragwerksplanung
Breinlinger Ingenieure Hochbau GmbH, Tuttlingen

Bauphysik
GSA Körner GmbH, Reichenau

HLSK-Planung
Kaufer + Passer GmbH & Co.KG, Tuttlingen

Elektroplanung
Schnell Ingenieure GmbH, Tuttlingen

Fassadenplanung
Rupert App GmbH & Co., Leutkirch

Landschaftsarchitektur
Muffler Architekten PartG mbB, Tuttlingen

Räume, die an ihren Aufgaben wachsen

Die innere Organisation folgt den Anforderungen moderner Arbeitswelten. Offene Bürobereiche werden mit konzentrierten Rückzugsorten, Besprechungsräumen und gemeinschaftlichen Mittelzonen kombiniert. Unterschiedliche Arbeitsplatztypen ermöglichen sowohl konzentriertes Arbeiten als auch informellen Austausch und projektorientierte Zusammenarbeit. Dabei bleibt die bestehende Tragstruktur weitgehend erhalten und bildet das robuste Gerüst für eine langfristig anpassungsfähige Nutzung. Die klare Konstruktion erlaubt flexible Grundrisse, die auch zukünftige Veränderungen der Arbeitsorganisation aufnehmen können, ohne die architektonische Ordnung des Gebäudes zu verändern. Im obersten Geschoss entsteht ein neues Schulungszentrum mit zusammenschaltbaren Veranstaltungsräumen, großzügigem Foyer und vorgelagerter Dachterrasse. Die zurückgesetzte Architektur schafft einen bewusst leichten Abschluss des Gebäudes und eröffnet weite Ausblicke über Tuttlingen.

Gestaltung und Materialität

Die architektonische Erscheinung wird von einer präzise komponierten Fassadensprache bestimmt. Horizontale Aluminium-Lisenen strukturieren die Geschosse und verleihen dem Gebäude eine klare Maßstäblichkeit. Vertikale Aluminium-Profile treten leicht zurück und erzeugen gemeinsam mit den tief liegenden Fensterflächen eine ruhige plastische Wirkung. Die Materialwahl folgt dem Anspruch einer langlebigen und zeitlosen Architektur. Aluminium, Glas, Naturstein, Sichtbeton und Holz bilden ein reduziertes Materialkonzept, das Wertigkeit und Beständigkeit vermittelt. Im Inneren setzen Holzlamellen, Muschelkalk, sichtbare Betondecken und sorgfältig abgestimmte Oberflächen warme Akzente und schaffen eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Die zurückhaltende Farbigkeit unterstreicht den repräsentativen Charakter des Hauses, ohne aufdringlich zu wirken.

Nachhaltigkeit durch Weiterbauen

Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Bestand bildet die Grundlage des gesamten Projekts. Anstelle eines ressourcenintensiven Neubaus werden Tragwerk und wesentliche Gebäudestrukturen erhalten und technisch sowie energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Damit bleibt ein erheblicher Teil der im Gebäude gebundenen grauen Energie erhalten. Nachhaltigkeit wird dabei ganzheitlich verstanden. Langlebige Materialien, sortenrein rückbaubare Konstruktionen, extensive und intensive Dachbegrünungen sowie ein energieeffizientes Gebäudekonzept reduzieren den ökologischen Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus. Gleichzeitig entstehen flexible Gebäudestrukturen, die zukünftige Anpassungen ermöglichen und damit die langfristige Nutzbarkeit sichern.

Identität

Mit der Revitalisierung erhält die Hauptstelle der Kreissparkasse Tuttlingen weit mehr als eine neue Fassade. Der Entwurf entwickelt aus dem Bestand eine zeitgemäße Architektur, die Offenheit, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit miteinander verbindet. Städtebau, Innenraum und Konstruktion greifen ineinander und schaffen ein Gebäude, das den Wandel der Institution sichtbar macht und gleichzeitig seine Verwurzelung am Standort stärkt. So entsteht ein identitätsstiftendes Gefüge, welches den öffentlichen Raum aufwertet, moderne Arbeitswelten ermöglicht und der Kreissparkasse eine architektonische Adresse verleiht, die ihrem Anspruch als regionales Finanzinstitut gerecht wird.

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